Das Rodensteiner Relief

"Der Rodensteiner inmitten des Brauchtumsjahres" ist ein Großrelief aus gebranntem Ton und wurde 1937 von Adam Winter auf Anregung von seinem Bruder, Heinrich Winter, ein bekannter Volkskundler, geschaffen. Das Relief hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Zum Schluss Jahrelang lagen die Teile des 4,10 m x 4,10 m Großreliefs teils im Hof des Hessischen Landesmuseums und teils im Hessischen Staatsarchiv, beide in Darmstadt. Auf Anregung des damaligen Landrats des Odenwaldkreises, Horst Schnur, setzte sich die Interessengemeinschaft Heimatmuseum Rodenstein tatkräftig dafür ein, dass das Relief in Fränkisch-Crumbach einen geeigneten Platz finden konnte. Nach dem Wiederzusammenbau und Sanierungsarbeiten konnte 1993 das Relief an der Wand des Heimatmuseums Rodenstein auf dem Kirchenvorplatz montiert werden.

 

Im Zentrum des Großreliefs jagt der Rodensteiner der Sage mit flatterndem Mantel auf seinem Pferd über die Höhenzüge des Odenwaldes. Sowohl die reitende Gestalt als auch die sie begleitenden Raben erinnern an den germanischen Gott Wodan, der als Gott des Sturms, aber auch als Gott der Toten gilt. Das Relief-Mittelteil ist Ausdruck einer einst verbreiteten mythologischen Deutung, die hinter dem Geisterzug des Rodensteiners zwischen den Burgen Schnellerts und Rodenstein den Germanengott vermutet.

 

Um den Rodensteiner reiht Adam Winter den Ablauf des Brauchtumsgeschehens, das - insbesondere im bäuerlichen Lebensraum - vom stets wiederkehrenden Lauf der Sonne bestimmt wird. Die vier Randplatten des Reliefs entsprechen den vier Jahreszeiten und repräsentieren das Brauchtum des Frühlings (z.B. Peterstag, Heimkehr des Storches, Pflügen als auch Fastnachts- und Osterbräuche), des Sommers (z.B. Pfingst- und Kerbbräuche), des Herbstes (Rübenköpfe und Erntebräuche) und des Winters (Schlachtfest, Nickels-, Bocks- und Eselsgestalten und Weihnachtsbräuche).